Neue Folgen der „Gilmore Girls“

Hallo, hier ist 2005 und wir haben eine Nachricht für euch: Star Wars Episode III kommt in die Kinos!
Ernsthaft, wir schreiben 2015 und es scheint wirklich so, als hätte sich eine Meldung aus 2005 in der Zeitmaschine verirrt und sich in diesem ausgetrockneten Blog selbstständig gemacht. Aber es wird laut Michael Ausiello von TVLine.com angeblich neue Episoden der „Gilmore Girls“ mit und von Lauren Graham, Alexis Bledel, Kelly Bishop, Scott Patterson und Amy Sherman-Palladino geben. Wie es sich für 2015 gehört, heisst der „Sender“ dann auch nicht mehr theWB oder CW, sondern Netflix. Netflix will wohl vier 90-Minuten-Specials produzieren, um die Geschichte der beiden „Girls“ acht Jahre nach der Absetzung der Serie zu einem „offiziellen“ Ende zu bringen. Da könnte man richtig nostalgisch werden … 😉

Lend me your ears and I’ll sing you a song.

wonderyearsdvd

Wunder geschehen also doch noch, man muss nur lange genug warten. Es wird tatsächlich eine „The Wonder Years“-DVD geben. Eine Pressemeldung gab es dazu schon im Februar, nun flattern über Twitter und Instagram seit ein paar Stunden Fotos des Cast bei Aufnahmen für DVD-Bonus-Materialien auf unsere Monitore. Es scheint also wirklich Realität zu werden. Lange Zeit galt eine DVD-Veröffentlichung als Ding der Unmöglichkeit in erster Linie wegen hochproblematischen Musik-Lizenzfragen. TWY lebte besonders intensiv von der Untermalung durch zeitgenössische Popsongs. Angeblich sind all diese Lizenzfragen gelöst, weite Teile der Originalmusik sollen intakt bleiben.

„As it did for China Beach, StarVista Entertainment/Time Life is painstakingly securing the rights for virtually every song in The Wonder Years. From Cocker’s theme song, to hundreds of other memorable and classic soul, rock and pop songs, including classics from The Beatles, Bob Dylan, Smokey Robinson, Joni Mitchell, Van Morrison and many others, StarVista /Time Life recognizes the necessity to release the series as it was initially broadcast, un-edited and untouched from original broadcast masters.“

http://www.hitfix.com/whats-alan-watching/the-wonder-years-is-finally-coming-to-dvd

Nach 26 Jahren würde das endlich eine der letzten Lücken in meiner TV-DVD-Sammlung schliessen.

Auf der offiziellen Website wonderyearsdvds.com kann man sich für einen Newsletter eintragen.

Daria: High School Reunion – The Movie (College Humor)

Aus der Abteilung „Shut up and take my money!“: Der Trailer zu einem imaginären Daria-Spielfilm mit Aubrey Plaza („Parks & Recreation“) aus den talentierten Händen von College Humor. Solch eine wunderbar-bizarre Idee, ich wünschte, sie wäre Realität.

http://www.collegehumor.com/video/6904493/daria-movie-trailer-with-aubrey-plaza

Volle fünfte Staffel für Parenthood

Eine der wenigen Serien-Renewals-Meldungen, auf die ich noch sehnsüchtig gewartet hatte: NBC hat „Parenthood“ für eine fünfte Staffel (mit 22 Episoden) verlängert.

Ebenfalls erhielten „Revolution“, „Chicago Fire“, „Grimm“ und „Law & Order: Special Victims Unit“ nun bereits vorzeitig vor den Upfronts eine Order für eine weitere Staffel.

Zach Braff will neuen Film über Kickstarter finanzieren

Das hat nicht lange gedauert: Im Fahrwasser der überaus erfolgreichen Crowd-Finanzierung des „Veronica Mars“-Spielfilms (deutlich über 5 Millionen $ von mehr als 90.000 Fans) wollen nun auch andere Filmmacher die Kickstarter-Plattform als Weg zur Realisierung ihres Projekts beschreiten. Dazu zählt auch Zach Braff („Scrubs“), der mit seinem Regie-Debut „Garden State“ vor neun Jahren nicht nur mich begeisterte. Seit „Garden State“ und dem Ende von „Scrubs“ hat sich seine Filmkarriere jedoch nicht bedeutsam weiterentwickelt. Doch nun will er es nochmal versuchen und es wird spannend zu sein, ob er den Überraschungs-Erfolg von „Garden State“ wiederholen kann.

Dazu hat er bereits mit seinem Bruder ein Drehbuch für eine Film namens „Whish I Was Here“ geschrieben, das er nun mit der Hilfe von Fans via Kickstarter zu realisieren hofft.

Ich bin gespannt. „Garden State“ hatte mich seinerzeit auf eine (sehr geschickte) Art hauptsächlich durch die Story und den wohl grossartig zusammengestellten Soundtrack begeistert (und ich weiss, dass es auch viele Leute gibt, die den Film nicht sonderlich mögen). Ob dieser positive Effekt allerdings zu wiederholen ist, bleibt abzuwarten. Aber ich bin schon mal ein „Backer“, soviel Kredit hat er noch durch die „Garden State“-Zeit, dessen Soundtrack ich immer noch gerne höre :)
Dass er den Finanzierungswunsch von $2 Mio schafft, scheint mir nach dem Erreichen von $500’000 innerhalb weniger Stunden eigentlich sicher. Aber während Rob Thomas mit dem „Veronica Mars“-Kickstarter fast 1 Jahr in Vorbereitung verbrachte, versucht Zach das nun innerhalb von einem Monat auf die Beine zu stellen. Hoffentlich unterschätzt er den damit verbundenen Aufwand nicht. Aber es wäre zu wünschen, dass dieses Modell zumindest für einige (bekanntere) Independent-Filmmacher zukünftig eine veritable Finanzierungs-Alternative sein wird.

Kickstarter: Whish I Was Here

Lauren Graham veröffentlicht ihr erstes Buch

Lauren „GilmoreGirl“ Graham dürfte vielen hier aus den guten alten WB-Zeiten (*Insert Gedenkminute Here*) und in jüngeren Jahren aus dem grossartigen „Parenthood“ ein Begriff sein. Die Schauspielerin hatte bereits im vergangenen Herbst angekündigt, dass im Frühjahr ihr erstes Buch auf den Markt kommen würde, eine semi-autobiographische Erzählung über eine junge Frau, die ihr Glück als Schauspielerin versuchen will. Das Buch „Someday, Someday Maybe“ erscheint nun definitiv Ende April in den USA, jetzt ist eine erste Leseprobe (Scripd.com) verfügbar: http://de.scribd.com/doc/130549421/SOMEDAY-SOMEDAY-MAYBE-by-Lauren-Graham

Veronica Mars – The Movie

„a long time ago we used to be friends“

Aus der Kategorie „Es geschehen noch Zeichen und Wunder“ kommt die Meldung, dass der „Veronica Mars“-Spielfilm nach all den Jahren nun doch noch Realität werden könnte. Zwar nur als Low-Level-Produktion, aber immerhin mit Kristen Bell und einigen weiteren Original-Darstellern aus der Serie. Rob Thomas hat an der Idee für einen Spielfilm nie wirklich losgelassen, auch wenn Warner Brothers ihm bekannterweise mehrmals einen Korb gegeben haben. Nun will er es als Fan-Projekt via Kickstarter finanzieren und wie auch nicht anders zu erwarten, kamen die geforderten 2 Millionen US-Dollar innerhalb weniger Tage/Stunden zusammen. Aktuell steht das Spendenbarometer schon bei 2,5 Millionen Dollar. Demnach müsste der Film bereits im Sommer gedreht werden können, mit einer Kino-Veröffentlichung („in selected cities“) Anfang 2014. Vor einigen Jahren hätte ich das alles als illusorischen Wunschtraum abgetan, aber die Zeiten haben sich definitiv geändert. Das könnte wirklich funktionieren — ich würde mich jedenfalls tierisch freuen, nach so langer Zeit nun doch noch einen weiteren Blick in das Leben von „Veronica Mars“ zu werfen :-)

Details hier: http://www.kickstarter.com/projects/559914737/the-veronica-mars-movie-project Zumindest das Spendenaufruf-Video auf Kickstarter sollten sich alle Veronica-Mars-Fans unbedingt anschauen — alleine schon der alten Zeiten wegen :-)

Update: Jetzt sind es schon 3,2 Millionen und die Aktion hat einiges an Wirbel verursacht. Natürlich stürmten die Massen auch gleich auf den armen Joss Whedon los, der doch bitteschön gleich mal morgen ein Firefly-Kickstarter aufsetzen solle. Buzzfeed konnte kurz mit ihm sprechen und von ihm gab es dann auch die ausführliche Begründung, warum das so schnell kein Modell für Firefly sein wird (kurze Version: Whedon ist viel zu beschäftigt dank seinem Marvel-Deal für die nächsten drei Jahre).

Alan Sepinwall hat ein paar Details zur Entstehungsgeschichte der Kampagne, die wohl bereits vor einem Jahr mit ersten Diskussionen und Planungen bei Warner Brothers begann.

Auch anderswo schaut man interessiert zu:

The Guild

Den TV-Serien im Web-Trend verfolge ich nun schon einigen Jahren und ich muss zugeben, ich hatte gedacht, dass wir im Jahre 2013 schon ganz andere Vermarktungs- und Geschäftsmodelle für webbasierte Online-Serien haben als 2008. Aber das Netz hat sich in dieser Hinsicht langsamer entwickelt als (von mir) gedacht. Kaum zu glauben, aber quarterlife und Dr. Horrible sind nun schon fast 5 Jahre her und es fehlt auch weiterhin ein Zeichen, dass Web-Produktionen in nächster Zeit ernsthafte Konkurrenz für das altmodische TV-Verteiler-Modell sein würden — zumindest auf dem Massenmarkt.

Netflix hat immerhin Staub aufgewirbelt, als es ankündigte, neue Episoden von „Arrested Development“ zu produzieren und (auch) online zu vertreiben (alle 13 Episoden kommen im Mai 2013). Hulu produziert nun auch eigenen Content. Zumindest als Vertriebsweg läuft das Web in Form von Video-Downloads auf Netflix, iTunes, Amazon & Co. dem klassischen DVD-Verleih/-Versand immerhin langsam den Rang ab.

Den Nischenmarkt hingegen haben kleine Webserien insbesondere in den letzten beiden Jahren still und leise erobert.
Den Titel „Königin der Web-Serien“ hat sich dabei das unternehmungslustige Multi-Talent Felicia Day erobert. Ursprünglich nur bekannt als „die Rothaarige aus der finalen Buffy-Staffel“ hat sie inzwischen ein kleines Webvideo-Imperium namens Geek and Sundry auf der YouTube-Plattform aufgebaut.

theguild
Doch begonnen hatte alles mit einem Script für eine TV-Serie, das Felicia wie in dem TV-Business üblich über ihren Agenten an Studios zu platzieren versuchte. Doch kein Studio biss an und so nahm sie es eines Tages mit Hilfe aus ihrer Improv-Klasse einfach selbst in die Hand: Eine Home-VideoCam, ein paar Wohnzimmer und Ersparnisse sowie ein YouTube-Account genügten 2007 für die Produktion der ersten drei Episoden von „The Guild„.
Die Serie hat einen leichten autobiographischen Touch: Es geht um eine Gruppe von Online-Spielern einer World of Warcraft-ähnlichen Spielwelt. Feliciy Day war selbst jahrelang eine eingefleischte „World of Warcraft“-Spielerin und liess sich von ihren Erlebnissen in der virtuellen Welt inspirieren. Die Serie gewann schrittweise Fans und als die Show eines Tages auf der YouTube-Startseite beworben wurde, flossen Kleinstspenden von Fans zur Produktion weiterer Folgen in Strömen.

Inzwischen sind mehr als fünf Jahre vergangen, „The Guild“ hat sechs Staffeln mit jeweils etwa 10 Episoden zu je knapp 10 Minuten abgeschlossen und ist mittlerweile ein richtig erfolgreiches Projekt, das Felicia Day auch dazu animierte, Musikvideos, Comics und weitere YouTube-Webserien-Produktionen in Angriff zu nehmen. Die Serie hat dabei ein erstaunlichen Reifeprozess durchgemacht, selten kann man so deutlich sehen, wie eine Produktion von Episode zu Episode inhaltlich, handwerklich und vermarktungstechnisch professioneller wurde. „The Guild“ hat die HomeVideoCam-Zeiten längst hinter sich gelassen und ist inzwischen eine sauber produzierte Profi-Show. Finanziert wird die Unternehmung dabei zeitweise durch eine (mittlerweile aufgekündigte) Kooperation mit Microsoft, Product Placement, DVD-Verkäufen und sonstigen Werbeeinnahmen.

Inhaltlich ist die Serie wohl nicht nur für Gamer unterhaltsam. Die Charaktere sind gutmütig überzeichnet und nehmen die Online-Gamer-Welt mit einem sympathischen Augenzwinkern auf die Schippe, ohne sich auf billigen Nerd-Witzen und Klischees auszuruhen. Die Show ist sicherlich vom Prinzip her eine einfache Comedy, die wohl nie im Leben auf einem etablierten TV-Network eine ernsthafte Chance gehabt hätte. Doch Felicia Day gelingt in der Personalunion von Hauptdarstellerin, Autorin und Produzentin ein liebenswertes Porträt einer schrägen Truppe und ihrer zuweilen bizarren Abenteuer. Trotz der zunehmend professionelleren Inszenierung merkt man natürlich immer noch das Mini-Budget an allen Ecken und Enden — der Vergleich mit einer „echten“ TV-Produktion wäre also schon nicht nur angesichts der kurzen Laufzeit unangebracht und unfair. Felicia Day bietet immer wieder sympathische Momente der Charaktere auf, die andere Schwächen wettmachen. Dazu gesellen sich bekannte Gesichter in Gastrollen, die einen kleinen Oha-Faktor liefern (Wil Wheaton, Simon Helberg, Zachary Levi, Nathan Fillion,… nur Joss Whedon fehlt noch ;-). Vielleicht wird „The Guild“ nicht als hochqualitative Serienproduktion in die Geschichtsbücher eingehen, aber sicherlich als eine der ersten Produktionen, die das Web-Kurzformat als seriöse Erzählform etablierte und hoffentlich den Weg für zahlreiche Nachfolger ebnete.

Die sechste Staffel lässt durch ein „book ends„-Finale erahnen, dass dies durchaus das Ende von „The Guild“ sein könnte, aber die Vermutung gab es auch schon bei früheren Staffeln. Ich würde jedenfalls auch in eine siebte Staffel reinschauen … und bis dahin vertreibe ich mir halt die Zeit mit anderen „Geek & Sundry“-Produktionen 😉

The Guild online: http://www.watchtheguild.com/
Geek & Sundry YouTube: https://www.youtube.com/user/geekandsundry

Catching Up: Parenthood

In die Kategorie „quality tv“ gehört für mich nun schon im vierten Jahr die Jason-Katims-Produktion „Parenthood“. Es freut mich ungemein für ihn, dass er es geschafft hat, nach dem limited audiences hit „Friday Night Lights“ nun endlich den Durchbruch … hm….
Ah, okay.
NBC.

Parenthood
Nun gut, es mag auch weiterhin kein CBS-Mega-Blockbuster sein, aber „Parenthood“ hat seine Stamm-Audienz von ein paar Millionen Zuschauern über die vergangenen Jahre weitestgehend konstant gehalten und die Aussichten für Season 5 sehen sehr gut aus.

Zuweilen taucht die Serie allzu tief in den Soap-Storyline-Topf, aber das mag ich ihr gerne verzeihen. „Parenthood“ ist wunderbares TV im guten alten Stil von „thirtysomething“ mit viel Herz und Emotionen (und ein paar ähnlichen Storylines) sowie realistisch gezeichneten Alltags-Charakteren, denen man gerne jede Woche bei den kleinen (oder auch nicht so kleinen) Familien-Dramen zuschaut. Hie und da schiessen die Stories etwas über das Ziel hinaus, aber im Gesamten schaffen es die Autoren immer wieder, die kleine Welt der Bravermans so darzustellen, dass sich das ganze Universum um sie dreht, ohne dass der Serie die Bodenhaftung entgleitet.

Die Show lebt neben den guten Drehbüchern auch offensichtlich von der Improvisations- und Spiellust der Darsteller, allen voran Lauren Graham und Peter Krause. Gerade letzterer als gestresster Familienvater und Ehemann läuft in schöner Regelmässigkeit in der aktuellen vierten Staffel zu schauspielerischen Tour-de-Force-Leistungen auf. Noch lange blieb mir eine Szene im Kopf als er seiner Tochter via Telefon eine schwierige und traurige Nachricht übermitteln musste. Peter Krause zeigte dabei eine bewegende Darbietung, die das ganze Spektrum von Schmerz, Verzweiflung und dem Wunsch eines Familienvaters, seine Tochter nicht zu beunruhigen sowie den Zwang zum eisernen Durchhalten in widrigen Umständen vermittelte.

Lauren Graham ist irgendwie immer noch das quirlige „Gilmore Girl“ und dieses Image wird sie wohl auch weiterhin mit sich herumtragen. Aber das muss sie auch nicht loswerden, in Parenthood spielt sie eine logische Fortsetzung ihres GG-Charakters und sie bringt genau die gleiche Bandbreite ein (wenn nicht sogar noch mehr) wie in den Sherman-Palladino-Drehbüchern aus der Gilmore-Zeit. Ihr Charakter hingegen ist zur zeit eher ein wenig reduziert auf ein wildes Beziehungs-Roulette, dabei hatten mir bei ihr die Storylines mit einem Schwerpunkt auf ihren alltäglichen Kämpfen als alleinstehende Mutter mit Sohn und Tochter besonders gut gefallen.

Die Show umschifft trotz der unbestreitbar vorhandenen Soap-Elementen die allzu üblen Genre-Klischees. Die Konflikte wirken zuweilen ein wenig konstruiert, nicht aber die Reaktionen der Charaktere auf diese äusseren Umstände. Eigentlich würde mir ein „Friday Night Lights 2“ mit Adam und Kristina Braverman schon durchaus als Serie ausreichen — der Rest des Cast und der Storylines verblassen gelegentlich ein wenig gegenüber diesem vermeintlichen Nucleus der Serie. Dennoch trägt das ganze Ensemble zu den abwechslungsreichen Geschichten der Braverman-Sippe bei, dadurch kann die Show in einer Storyline auch mal sehr tief in ein düsteres Problem-Kapitel vordringen, ohne dass die gesamte Serie zu sehr in dunkle Fahrwasser gerät.

In diesem Sinne wünsche ich „Parenthood“ noch viele weitere erfolgreiche Staffeln. Die aktuelle vierte Staffel wird wohl nur 18 Episoden umfassen, aber die Quoten sind halbwegs stabil und voraussichtlich gibt es ja sogar noch eine Nummer fünf, was nach dem Serienfinale-ähnlichen Ende von Season 3 eigentlich nicht zu erwarten war.

Wer immer noch nicht reingeschaut hat, aber schon bei den Worten „thirtysomething“ und „Friday Night Lights“ den unvermeidlichen „Hach!“-Seufzer nicht unterdrücken konnte, der sollte diese Show dringend auf die Prioritätenliste schieben.

Was diesmal meine Pläne durchkreuzt hat…

Alan Sepinwall dürfte durch seinen alten Blog „What’s Alan Watching“ und seiner Tätigkeit bei hitfix.com in der Serien-Community bekannt sein. Er ist einer meiner favorisierten TV-Kritiker. Sein im Eigenverlag veröffentlichtes neues Werk „The Revolution was Televised“ habe ich mir selbst unter den Weihnachtsbaum gelegt und bisher noch nicht bereut. Er schaut hinter die Kulissen und auf die Entstehungsprozesse namhafter „Quality TV“-Serien wie Oz, Sopranos, The Wire, Buffy, Friday Night Lights, Deadwood, Shield, Lost, uvm. Es ist ein unterhaltsamer „trip down memory lane“ und wirklich eher was für eingefleischte „ich will Hintergründe wissen“-Serienfans. Noch bin ich nicht durch mit dem Werk, aber falls noch jemand eine nette TV-Lektüre für „zwischen die Jahre“ sucht, sollte er/sie da mal reinschauen. Gibts neben der „Toter-Baum-Edition“ auch als Kindle-EBook.

Unter anderem bietet Sepinwall einen zusammenfassenden Blick auf die schier endlose und verworrene Entstehung von „Lost“ und viele kleine Factoids, die man irgendwo im Hirn unter der Kategorie „TV-Smalltalk-Futter“ abheften kann. So zum Beispiel hätte sich HBO Ende der 1990er als Nachfolger von „Oz“ beinahe für eine neue Drama-Serie von Winnie Holzman („My So-Called Life“) entschieden. Eigentlich wollte HBO mit der Holzman-Show, die sich um eine junge, ehrgeizige Karriere-Frau drehen sollte, eine andere Zielgruppe als mit „Oz“ ansprechen. Schliesslich wählte HBO aber eine andere Produktion … sie hiess „The Sopranos“.

sepinwall-book

Catching up: Downton Abbey

So ist es nun mal mit Leidenschaften: Sie lassen einen nie wirklich los. So geht es mir mit guten Serien und dem sablog. Viel Zeit habe ich nicht mehr fürs Schreiben im Blog, was ich auch immer wieder schmerzlich vermisse (und dabei feiert das Was-auch-immer-Ding hier nächstes Jahr schon den 15. Geburtstag!!1!).

Aber die Finger von „quality tv“ lassen? Nein, das wird nicht passieren trotz stressigem 100%-Job und zahllosen alternativen Freizeit-Möglichkeiten tief in den Schweizerischen Alpen.

Während ich mich still darüber amüsiere, wie manche SchweizerInnen das Wort „Serien“ aussprechen (mit einer bezaubernden Betonung auf dem „i“), verfalle ich auch weiterhin den Verlockungen der televisierten Erzählkunst. Sofern der anstehende Weltuntergang meine Pläne nicht torpediert, werde ich ein paar meiner Favoriten in den nächsten Wochen kurz vorstellen.

Lasst uns doch diesen kleinen virtuellen Rundgang in dieser Woche mit einer Serie beginnen, die zugebenermassen[1] in die Rubrik „Guilty Pleasure“ eingeordnet werden könnte. Die britisch-amerikanische Co-Produktion „Downton Abbey“ von ITV und PBS ist aber schon längst viel mehr als eine kleine Hausfrauen-Soap. Eine ganze Reihe von Kritiker-Auszeichnungen, Emmy-Nominierungen und nunmehr drei höchst erfolgreiche Staffeln (Nummer 4 ist bestellt) sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die Serie um eine britische Adelsfamilie in den 1910er Jahren alles andere als ein kleines Historien-Nischendrama darstellt. Mit einer Million Pfund Produktionskosten pro Episode gehört Downton Abbey inzwischen zu den teuersten Drama-Produktionen in Grossbritannien. Dabei bietet die Serie dem Zuschauer natürlich in erster Line eine Möglichkeit zur „Flucht“ in eine einfachere, romantisch angehauchte Welt unserer Vorfahren, in der es klare Regeln gab, kein „Immer-Online“-Social-Media-Wahn, aber auch strenge Muster von sozialer Identität, in Tradition verwurzelte und verharrte Lebensphilosophien und zuweilen harsche Lebensbedingungen.

Wie es sich für eine herausragende Soap (und man möge diesen Begriff an dieser Stelle so positiv wie möglich interpretieren) gehört, hat die Show immens viel Drama, Intrigen, Kämpfe um Macht und Geld sowie die verkörperte Hoffnung auf die perfekte Liebe. Aber auch eine nette Portion Humor findet ihren Platz in der Serie, insbesondere repräsentiert durch Maggie Smith als spöttisch-sarkastische Dauernörglerin Tante Violet, deren Charakter schon längst mehr ist als der kleine „comic relief“ am Rande. Der Produktionswert der Serie ist enorm hoch, das äussert sich nur in den grossartigen Sets (gedreht wird unter anderem im Highclere Castle in Hampshire) und Kostümen, sondern auch in den sorgsam artikulierten Dialogen, die den besondern Klang des britischen Akzents noch mal ein wenig mehr hervorheben können.

Das Leben der Adelsfamilie Crawley und ihrer Diener dient dabei als Spiegel der britischen Gesellschaft in der Zeit vor und nach dem ersten Weltkrieg, vor der Gründung der irischen Republik und der Einführung des Frauenwahlrechts. Von einigen liebevoll-spöttisch in diesem Zusammenhang in Erinnerung an die alte BBC-Serie als „Downstairs, Upstairs“ bezeichnet kann die Serie durch ihren immens grossen Cast (man zählt gerne mal bis zu 19 Hauptdarsteller) dabei auch diese historischen Aspekte aus zwei sehr unterschiedlichen sozialen Perspektiven betrachten: Einerseits die aristokratische, wohlhabende Familie Crawley, die sich schon lange keine Sorgen mehr um Besitztümer machen musste und auf der anderen Seite die sprichwörtliche Unterschicht der Bediensteten, die dafür sorgen, dass die Crawleys in dem luxuriösen Anwesen Downton Abbey (fast) sorgenfrei leben können. Doch ebenso wird deutlich, dass gewisse Dinge und Ereignisse dazu neigen, keine Unterschiede hinsichtlich des sozialen Status zu machen und man manchmal näher zusammenrücken muss — sei es wegen der Spanischen Grippe, den dramatischen Verlusten an Leben und Menschlichkeit während des ersten Weltkriegs, aber auch den „ganz normalen“ Einschnitten im Leben verursacht durch Schmerz und Glück, Tod und Liebe.

So springt die Show hin und her zwischen sozialen Klassen-Drama, simpel zugespitzten Intrigen-Spannungen (oooh, sooo böse!;), ganz viel Herzschmerz und der gelegentlichen spitzen Bemerkung (meist) aus dem Munde von Tante Violet, all das unterlegt mit einer eingängigen Titel-Melodie. Was braucht man denn mehr für ein „Guilty Pleasure“-TV-Erlebnis?

Ich kann „Downton Abbey“ also nur bestens ans vom heimischen Kamin hoffentlich gut gewärmte Herz legen — für kuschelige Winterabende insbesondere zum „Gemeinsam TV-Schauen“ bestens geeignet. Vielleicht wird der ein oder andere angesichts der Aussprache und des historisch bedingten „Fachvokabulars“ zunächst etwas Probleme beim Verständnis haben, aber wer wie ich den britischen Akzent vergöttert, der sollte auf jeden Fall die Originalversion schauen. Die deutsche Synchro verliert leider immens viel Atmosphäre (und natürlich solch wunderbare Wörter wie uppity minx, delightful, ludicrous, county, bouillon spoon :)).

„Downton Abbey“ ist das beste Beispiel: Leidenschaften kommen nun mal in vielen verschiedenen Formen. 😉

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[1] Man möge entschuldigen, dass ich kein „scharfes Ess“ mehr verwende. Aber ich habe eine Schweizerische Tastatur und da hat es solche typografische Extravaganzen nicht (ohne grösseren Aufwand). Ausserdem ist das Ausrufezeichen nicht über der „1“. Womit der ganze „Me too!!!1!!elf!!“-Gag dramatisch an Wirkung verliert. Stattdessen darf ich hier „go poschde“ gehen anstatt langweiligem „Einkaufen“. Soviel zum Thema „kulturelle Unterschiede zwischen D und CH“. Julia von 49suns führt eine interessante „Leben im UK als Deutscher (Liukad)“-Reihe, vielleicht sollte ich auch eine „Leben in der Schweiz als Dütscher (LiSaD)“-Kategorie starten 😉

Das sablog kehrt am 19. Oktober zurück!

http://www.youtube.com/watch?v=7LV7M_WeGX8

Weitere Staffel für Arrested Development?

Nein, das ist keine Archiv-Meldung, die sich auf die Startseite gedrängelt hat. Es ist Oktober 2011 und Showtime/Netflix wollen möglicherweise „Arrested Development“ für eine Art Miniserie (und anschliessend einen Film) wiederbeleben. Airdate: Circa 2013.
Auf der anderen Seite hat Mitchell Hurwitz in den letzten Jahren schon verdammt viel angekündigt, daher werde ich jetzt mal nicht zu euphorisch … 😉

Homeland

Endlich habe ich mal einen ruhigen Moment für die „Homeland“-Pilotepisode gefunden. „Moment“ ist da wirlich das passende Wort, die 55 Minuten Laufzeit vergingen wie im Flug, denn „Homeland“ ist hervorragendes Spannungs-TV auf höchstem Niveau mit erstklassigen Darstellern — und damit ist mein Fazit schon wieder gleich im ersten Absatz gelandet. Ich muss wirklich an meinen Blogging-Techniken arbeiten 😉

Ich war bekannterweise nie ein grosser Fan von „24“ und daher skeptisch, ob mich diese neue Serie inhaltlich überhaupt ansprechen würde. Doch „Homeland“ ist ein rasant strukturiertes und smartes Psychodrama, mit nur geringem Gewicht auf klassischer Action. Wie üblich für High-Profile-PayTV-Produktionen dieser Tage muss sich „Homeland“ vor aufwendig inszenierten Kinofilmen gewiss nicht verstecken.

Natürlich bleibt die Frage, wie man den Spannungsbogen der beeindruckenden Pilot-Folge über 13 Episoden einer (oder mehrerer) Staffel(n) gespannt halten will. Aber neben dem klassischen und altbekannten „good vs. evil“-Grundthema mit gelegentlichen „mindfuck“-Wendungen sind es vor allem die saubere Inszenierung sowie die Darstellerleistungen, welche die Serie auf ein besonderes Niveau heben.

Als langjähriger Fanboy dürfte meine Meinung wohl wenig Gewicht haben, aber Claire Danes liefert eine grossartige Performance. Im Vorfeld konnte ich mir nicht recht vorstellen, wie das zarte Figürchen, das vor 15 Jahren zu „Blister in the Sun“ durch’s Kinderzimmer tanzte, nun in die Rolle einer toughen CIA-Ermittlerin passen sollte. Aber sie füllt diesen Charakter hervorragend mit Leben aus, nicht den Hauch eines Zweifels an ihrer Authentizität und Kompetenz kommt im Verlauf der Folge auf. Die Art und Weise, wie sie die krankhafte Besessenheit verkörpert und sich offensichtlich daran langsam zugrunderichtet, ist in jeder Hinsicht sehenswert.

Mandy Patinkin in der Rolle als Kollege und Mentor ergänzt sie hervorragend, mit ihm hat Claire auch ihre stärkste Szene — als ihr Charakter in höchster Verzweiflung und mit dem Rücken an der Wand einen finalen „Hail Mary Pass“ versucht, indem sie sich Mandys Charakter an den Hals wirft: Ihre ganze Körpersprache und Mimik in diesen Szenen ist schlichtweg faszinierend — man kann regelrecht jede einzelne Stufe der zunehmenden Verzweiflung und schieren Panik in ihrem Gesicht ablesen (sogar Claires legendäres „wobbly chin“ hat wieder einen Kurzauftritt). Der anschliessende „Tanz“ im Kleiderschrank ist nicht minder beeindruckend — ohne ein Wort wird hier jeder ihrer Gedanken im besten Sinne des Wortes „verkörpert“.

Also nochmal das Fazit in aller Kürze: „Homeland“ sieht richtig gut aus und macht extrem viel Lust auf mehr.

P.S.: „The New Girl“ ist mit exzellenten Quoten auf FOX gestartet: Mehr als 10 Mio Zuschauer und sogar 20% mehr als das Lead-In „Glee“.

P.P.S. „Hello. My name is Inigo Montoya. You killed my father. Prepare to die.“

Mein Emmy-Highlight ;-)

Und ansonsten: Yay for Jason Katims & Kyle Chandler!

The New Girl (Quick Pilot Review)

FOX scheint grosse Stücke auf die neue Comedy „The New Girl“ zu setzen und hat die Pilot-Episode im US-iTunes-Store bereits jetzt zum freien Download zur Verfügung gestellt (sogar in HD). Da konnte ich natürlich trotz allem Real-Life-Stress nicht die Hände davon lassen und hab mir mal die 24-Minuten-Fassung angeschaut, schliesslich ist dieses neue Zooey-Deschanel-Format ja eines meiner grossen Comedy-Hoffnungen für den Herbst. Ich weiss nicht, ob das auch die Endfassung ist, die in zwei Wochen auf FOX ausgestrahlt wird, aber ich rechne damit.

Um meine Meinung zur Pilotepisode schon gleich zu Beginn des Eintrags zusammenzufassen: So richtig bin ich nicht überzeugt. Insgesamt wirkt das Format etwas zu sehr in das Halbstunden-Format zusammengestaucht. Inhaltlich erscheint die Pilot-Folge wie eine überstürzte Aneinanderreihung von kurzen Momentaufnahmen, geradezu wie ein überlanger Trailer. Es geht eindeutig wirklich nur darum, die 4-5 Hauptfiguren in der Kürze der Zeit möglichst sympathisch vorzustellen. Dabei ist der „Cold Open“ mit Jess‘ kurzer Ex-Boyfriend-Leidensgeschichte wirklich gut gelungen, auch die Idee des „douchebag jar“ erlaubt der Show viele hinrissige Anmacher-Sprüche mit einem zwinkernden Auge einzubauen. Andere Punkte sind wohlbekannt aus Pilot-Reviews: Die Story und die guten Gags kennt man schon aus dem Trailer und die 24 Minuten sind zu knapp, um wirklich eine endgültige Meinung zu den Darstellern und Charakteren zu bekommen, insbesondere da ab Episode 2 die Rolle des „Coach“ neu besetzt wird.

Aber Zooey ist charming wie immer, diesmal etwas mehr „Nerd“-Touch als in ihren bisherigen Rollen und da ich gerade meinen „Eureka“-Rückstand aufhole (*heul*, sie haben „Eureka“ abgesetzt! Diese Schweine!) sehe ich plötzlich gewisse Parallelen zur geeky Flapsigkeit von Felicia Day. Wobei Zooey eben noch den Vorteil hat, dass sie singen kann :). Die Show macht einen „netten“ Eindruck, wie eingangs erwähnt kann ich mich (noch) nicht zu einer besseren Note als eben jenes mittelprächtige „nett“ und vielleicht noch ein „süss“ hinreissen. Aber auch die abgegriffene Formulierung „da könnte was draus werden“ drängt sich mir auf — alleine schon durch den heutzutage sehr mutigen Verzicht auf einen Laugh Track und zumindest dem Ansatz eines richtigen Themesongs (ja, es gibt sie noch! Auch in 2011!) hat die Show bei mir eben schon zwei ganz fette Bonuspunkte. Warten wir mal die nächsten Episoden ab, dann muss sich die Show bewähren.

Und weil es gerade passt: „She and Him“ haben letzte Woche ein Weihnachtsalbum veröffentlicht. Habe noch nicht reinhören können (und auch nicht wollen — wer hört denn Weihnachtslieder im September?), aber um nach Zooeys Auftritt bei Conan letztes Jahr zu urteilen wird das sicherlich hörenswert.

Leider noch ohne Powerlaces

Fall Season 2011 – Meine Trailer-Favoriten

Inzwischen habe ich mich durch die (meisten) Trailer der neuen Herbstserien „geackert“ und hier ist mein erstes Fazit: Ich glaube, ich werde nicht viel verpassen, selbst wenn ich diesen Herbst wieder kaum Zeit zum Serienkonsum habe sollte. Vielleicht ist da noch der ein oder andere Kandidat, dem ich basierend nur auf den kurzen Trailer-Eindrücken massiv Unrecht tue, aber insgesamt gesehen wird das wohl wieder eine „meh.“-Season. Zahlenmässig scheinen die Comedies zu überwiegen, aber das mag täuschen: Es ist weitaus einfacher, für eine Comedy einen interessanten Trailer zu produzieren als für ein schwergängiges Drama.

Homeland (Showtime)
Claire Danes. Damian Lewis. Mandy Patinkin. Alleine wegen diesen drei Argumenten gibt es eigentlich keinen Weg vorbei an dieser Show.

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Snow Patrol: Called Out In The Dark

Ich stimme meinem Landsmann Inishmore voll zu, der neue Track von Snow Patrol geht irgendwie fluffig ins Ohr. Inklusive „Sch“ ;-). Dürfte sicherlich in Kürze die Charts erobern.

Das dazugehörende kurzweilige Video gibt auch ‚was für Serienjunkies her, daher auch das Posting: Da tauchen zwei Schauspieler auf, die man aus aus dem TV kennen kann.
Auf die Gefahr hin, dass das vermutlich wieder wegen GeoFrickingBlocking niemand mit einer deutschen IP sehen kann:

http://www.youtube.com/watch?v=GwTXwJg6_VE

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Wilfred

Solch eine WTF?!-Show hatte ich auch schon länger nicht mehr.

Nach einem misslungenen Selbstmordversuch taucht plötzlich im Leben des arbeitslosen und deprimierten Anwalts Ryan ein Hund auf und weicht ihm nicht mehr von der Seite. Nah, eigentlich gehört der Hund (er hört mehr oder weniger zuverlässig auf den Namen „Wilfred“) der attraktiven Nachbarin von Ryan, aber die hat offensichtlich kaum Zeit für ihn, schließlich hat sie ja einen Job. Und so hängt Wilfred eben den ganzen Tag bei Ryan ab, raucht etwas Gras mit ihm und versucht einen lebensgrossen Stoffbär zu einem abwechslungsreichen Sexleben zu überreden. Gemeinsam bestehen der eher schüchterne Ryan und der dagegen deutlich forschere Wilfred einige „Abenteuer“, die sich thematisch auch schön immer in den wöchentlichen Episodentiteln wie „Pride“, „Acceptance“ oder „Fear“ widerspiegeln. Ryan freut sich, dass er endlich einen „Kumpel“ hat, dem er sein Herz ausschütten kann und Wilfred ist froh darüber, dass sich jemand mit ihm beschäftigt und ihm Bier bringt. A match made in heaven.

Hört sich vielleicht nach einem wenig originellen Konzept an, verdient seinen „What the eff“-Faktor durch ein kleines … naja … Detail: Der Zuschauer (und Ryan) sieht Wilfred als normalen Mann in einem wuscheligen Hundekostüm. Der mit einem australischen Akzent spricht.

„Wilfred“ basiert auf einer gleichnamigen erfolgreichen australischen TV-Serie und teilt auch einige Darsteller und Autoren/Produzenten mit der Vorlage. Da ich das Original nicht gesehen habe, kann ich nichts zu den Unterschieden schreiben, aber das US-Resultat, das zur Zeit auf FX läuft, ist eine bunte Mischung aus schrulligem Wahnsinn, bescheuerten überzeichneten Stories, einer guten Portion sympathischen „Lessons learned“-Botschaften und ein paar einfach nur absurd-komischen Szenen.

Elijah Wood ist eine überraschende, aber höchst gelungene Besetzung für die Hauptrolle des eingeschüchterten Ryan, der nur schwer mit dem Alltag zurechtkommt. Wilfred (wie wir ahnen wohl in Wahrheit eher ein unterdrückter Teil von Ryans Persönlichkeit) hilft Ryan, aus seiner kleinen Welt auszubrechen und Neues zu wagen. Elijah Wood kann diese Rolle des etwas verlorenen, aber herzensguten Durchschnittstypen wunderbar ausfüllen und seine Interaktionen mit dem „Hund“ Wilfred erscheinen oftmals derart selbstverständlich, dass man schon mal vergisst, dass da ein verfluchter Schauspieler mit einer dämlichen schwarz angemalten Nase in einem lächerlichen Hundekostüm neben ihm steht. Naja, man „vergisst“ es für eine Sekunde, bis Wilfred dann wieder mal anfängt, den riesigen Stoffbär im Keller zu vögeln.

Gewisse stilistische Parallelen zu „Unhappily Ever After“ und vielleicht auch „Greg the Bunny“ und die schiere Absurdität von „Tick“ (und so manchen anderen FOX-Klassikern) drängen sich auf, aber „Wilfred“ ist doch ein ganz eigenes Ding. Wirklich sehr ungewöhnlich, alles andere als „brav“ und ganz sicher nicht eine klassische Comedy. Mehr eine Art Buddy-Show mit „Lessons learned“-Unterton. Manchmal wird es dann doch zuviel mit der bizarren und überdrehten Story, wie in der jüngsten Episode „Pride“, wenn die absurden Sexvorlieben von Wilfred (naja, er ist immerhin auch nur ein Hund 😉 der Episode zu sehr den Charme rauben.

Wem man diese Serie empfehlen kann? Man sollte Freude an Serien mit „Was schaue ich da eigentlich gerade!?“-Effekt haben, die aber doch irgendwo noch einen sympathischen/menschlichen Kern haben. Sicherlich nichts für den Otto-Normal-Zuschauer 😉